Melancholie ist kein Ein-Euro-Job (2009)

 

EIN STA­TI­SCHES BEWEGT­BILD FÜR KOPFHÖRER.
EINE COL­LA­GE FEAT. TRA­VIS, RADIOHEAD, CLUE­SO, PETER LICHT, JAKÖ­NIG­JA U.V.M.

Unse­re Köp­fe wir­bel­ten mit dem Fun­keln der Mög­lich­kei­ten, Mög­lich­kei­ten… aber mit stän­dig stei­gen­dem Glau­ben ent­schie­den uns wir, vor­an­zu­ge­hen und sie gera­de zu igno­rie­ren, trotz des unge­heu­ren Drucks, mit Schick­sal zu kapi­tu­lie­ren. So anstatt, gin­gen wir vor­an, einen Kata­log zu fabri­zie­ren von den insta­bi­len Ele­men­ten und Mini­men und Par­ti­kel. Mit nicht null Gesamts­elt­sam für kur­ze Momen­te, die betra­gen zu nichts mehr als klei­ne Frag­men­te eines Fin­ger­ver­schlus­ses. (The Books — „Smells like con­tent“ — Aus­zug, auto­ma­ti­sche Babelfish-Übersetzung aus dem Englischen)

Melan­cho­lie als auf­kei­men­de Anti-Utopie in einer sich hin­ter­rücks von der Voll­be­schäf­ti­gung ver­ab­schie­den­den Gesell­schaft, als dar­aus resul­tie­ren­de Krank­heit, als abbrem­sen­de Gegen­be­we­gung zum Hams­ter­rad einer zucker­stück­chen­lo­cken­den Selbstverwirklichungs-Job-Börse(?). Melan­cho­lie als Milch­glas­be­griff­lich­keit für Welt­ab­ge­wand­heit, Rück­zug, Still­stand, Ich-Bezogenheit, Intel­lek­tua­li­tät, Kon­tem­pla­ti­on und Depres­si­on — ja, lei­der auch Depression(?).

Das per­for­ma­ti­ve Thea­ter­stück „Melan­cho­lie ist kein Ein-Euro-Job“ ist von den eben genann­ten Gedan­ken und Fra­gen inspi­riert bzw. moti­viert, setzt aber zual­ler­erst beim Gefühl der Melan­cho­lie selbst an.

Das Stück ist ein Bild. Die Schau­spie­ler tra­gen zum Groß­teil Mas­ken. Sie spre­chen nicht selbst. Stim­men und Gedan­ken kom­men aus Laut­spre­chern, die vier­ka­na­lig um die Zuschau­er her­um ange­ord­net sind. Es sind Son­gly­rics, teil­wei­se aus dem Eng­li­schen ins Deut­sche über­setzt. Die Son­gly­rics beschrei­ben ein auf­kom­men­des schwe­res Gefühl. Inhalt­lich und durch ver­schie­de­ne Spre­cher kom­mu­ni­zie­ren sie mit­ein­an­der und stel­len ver­schie­de­ne Posi­tio­nen dar. Kon­trast in die Sta­tik des Bil­des bringt eine Tän­ze­rin, die sich durch den Raum — auf­ge­teilt in einen Chor und dem Melan­cho­li­ker auf einem über­di­men­sio­na­len Stuhl mit Gies­kan­nen­vor­rich­tung sit­zend — bewegt. Eine wei­te­re Stim­me stört ab und an das Gesche­hen und hin­ter­fragt das Dar­ge­stell­te und somit das Stück selbst um letzt­end­lich die Melan­cho­lie in eine gegen­wär­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung zu überführen.

Team:

Einer in Sich — Cle­mens Wegener
Die Ande­ren im Einen — Hen­ri­et­te Kut­scha, Han­na Gließing, Car­men Lucia Guerra
Das bewe­gen­de Moment — Ant­je Fischer
Illus­tra­ti­on Mas­ken — Rosa Linke
Eine Stim­me — Bern­hard Dechant
Regie, Musik — Tom­my Neuwirth

Auf­füh­run­gen:

5./6./7.11.2009, Kul­tur­bahn­hof Jena, im Rah­men des Kurztheaterspektakels

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