The party is over (2017)

 

The Par­ty Is Over“ ist eine musi­ka­li­sche Per­for­mance für einen kon­kre­ten Raum mit thea­tra­len Ele­men­ten. Die Per­for­mance hat eine fest­ge­leg­te Struk­tur, deren ein­zel­ne Tei­le — es gibt drei Tei­le — mit Aus­nah­me des letz­ten Teils bzw. der letz­ten Sequenz in ihrer Län­ge fle­xi­bel sind. Es gibt Raum für Impro­vi­sa­ti­on. Inner­halb eines Zeit­rah­mens wird die Per­for­mance immer wie­der wie­der­holt. Der Besu­cher kann ähn­lich einer Instal­la­ti­on den Raum nach Belie­ben betre­ten und ver­las­sen. Die Tren­nung zwi­schen Besu­cher und Per­for­mer wird nicht kom­plett auf­ge­löst, da es eine Büh­nen­si­tua­ti­on gibt. Ande­rer­seits neh­men Musik und Licht den gesam­ten Raum ein. Der Besu­cher ist mit Betre­ten des Raums Teil der Per­for­mance.

Der Raum ist als spär­lich ein­ge­rich­te­ter Par­ty­kel­ler insze­niert. An der Decke dreht sich als ein­zigs­te Licht­quel­le ein LED-Dis­co-Leucht­mit­tel und pro­ji­ziert rotie­ren­de rote, grü­ne und blaue Farb­punk­te an Decke und Wän­de. An einer Wand ist ein Graf­fi­to: „The Par­ty Is Over!“. Auf dem Boden liegt Kon­fet­ti. Es gibt eine Ste­reo-Anla­ge mit einer sepa­ra­ten Sub-Bass-Box. Es ist eine Art Klang­wol­ke zu hören — ähn­lich einem Chor, der einen mehr­stim­mi­gen Akkord singt und hält. Der Akkord ist an der Schwel­le zur Dis­har­mo­nie Ein­zel­ne Bestand­tei­le ver­än­dern bestän­dig die Ton­hö­he. Von der Tür kom­mend schaut man auf eine Art Büh­ne. Dar­auf steht eine Per­son im Anzug. Die Per­son hat ein Mikro­phon. Es ist nicht mög­lich auf der Büh­ne gera­de zu ste­hen, da die Decke sehr nied­rig ist. Die Per­son macht einen des­ori­en­tier­ten und ver­wirr­ten Ein­druck.

Mit der Per­for­mance möch­te ich eher eine Atmo­sphä­re erzeu­gen als inhalt­lich kon­kre­te The­men anzu­spre­chen. Mir ist aller­dings bewusst, dass bestimm­te Din­ge Asso­zia­tio­nen her­vor­ru­fen bzw. als Ver­wei­se ver­stan­den wer­den kön­nen und sich die Per­for­mance als Teil eines Thea­ter­abends in einem Kon­text befin­det. Ist die Per­son im Kel­ler auf der Büh­ne, die einen Anzug und Kra­wat­te trägt, ein ein­sa­mer Allein­un­ter­hal­ter oder der letz­te Gast auf der Par­ty oder ein Geschäfts­mann oder Poli­ti­ker, der in die­sen Kel­ler gebeamt wur­de? Das Graf­fi­to „The Par­ty Is Over!“ erin­nert an kapi­ta­lis­mus­kri­ti­sche Paro­len gesprüht an Häu­ser­wän­de.

Zunächst äußert sich vie­les als sehr wider­sprüch­lich. Es gibt den Par­ty­kel­ler und das beweg­te Par­ty-Licht. Im Kon­trast dazu steht die schein­bar sta­ti­sche Klang­wol­ke. Sie färbt den Raum klang­lich. Aber es ist nicht so klar, ob es Ent­span­nungs­mu­sik ist oder etwas unheim­li­ches. Eine Par­ty fin­det hier defi­ni­tiv nicht statt. Das Graf­fi­to an der Wand macht das als kla­res State­ment unmiss­ver­ständ­lich deut­lich. Den­noch dreht sich das LED-Dis­co-Leucht­mit­tel beharr­lich wei­ter. Der Per­for­mer auf der Büh­ne ist eher bei sich. Er ist eher ein Sich-Allein­un­ter­hal­ter. Er kratzt Far­be von der Wand und lässt Luft­kam­mern der um Hei­zungs­roh­re gewi­ckel­ten Schutz­fo­lie knal­len. Ins­ge­samt ein beklem­men­des Bild.


Idee und Per­for­mance: Tom­my Neu­wirth

Auf­füh­run­gen:
15./17./19./20./21.05.2017 Jena­er Früh­ling, Cam­bur­ger Str. 74, Jena

Trai­ler
Aus­schnitt


Fotos: Kath­rin Bäring