Orte wo real sind (2021 f.)

Fotoserie, Objekte


Orte wo real sind – Politisches und gesellschaftliches Handeln und Streiten, das faire Austragen von Meinungsverschiedenheiten ist nur möglich auf der Basis einer gemeinsamen Realität. Zunehmend ist das Aufspalten einer geteilten Realität zu beobachten. Sogenannte alternative Realitäten treten hervor. In Zeiten von Corona haben es zum Beispiel im Internet kursierende Realitäten durch die „Querdenkerbewegung“ auch auf die Straße geschafft. Mit Hilfe von Fake News wird bewusst an einer gemeinsamen Realität gerüttelt. Bereits vorhandene Unsicherheiten – der Klimawandel und seine unabsehbaren Folgen, das Erodieren von sozialen und monetären Gewissheiten usw. – werden dadurch verstärkt. Alternative Realitäten, Verschwörungstheorien und einfache Welterklärungen gewinnen an Zulauf und geben vermeintlich Halt in einer haltlosen Welt.

Die Supermarktkette real bringt sich mit vier Buchstaben auf den Punkt. Das Wort real schmückt, oft in großen Leuchtbuchstaben, die Supermarktgebäude. Sie sind bereits von Weitem zu erkennen. Klar und deutlich zeigt sich, was und wo real ist. Für Tommy Neuwirth sind die großen Leuchtbuchstaben eine Setzung. Er blendet den Supermarkt aus und sieht nur noch das Wort in der Umgebung – real. Er besucht die Orte wo real sind. Er macht es nur für sich. Es gibt ihm Halt.

Die real-Supermärkte werden auf Grund von Zerschlagung immer weniger. Von ursprünglich 279 Märkten werden 60 unter dem Namen real bestehen bleiben (Stand 21.01.2022). Die optische Setzung von was und wo real ist und damit sichere Anker in einer unischeren Gegenwart werden weniger.


Ausstellungen:
11.02. – 18.03.2022 Salon der Galerie Eigenheim Berlin
24.04.2022 Gaswerk Weimar


Instagram-Seite zur Fotoserie
Seite zur Ausstellung in der Galerie Eigenheim


Fotos: Ausstellungsansichten Salon Galerie Eigenheim Berlin